Das Victron Energy Storage System (ESS) steuert Batterie, Wechselrichter und Netz zuverlässig. Doch nicht jede Anlage und nicht jedes persönliche Ziel lässt sich allein mit den Grundeinstellungen des ESS optimal abbilden.
Wann reicht ESS bereits aus?
Bei einer klassischen Anlage führt der Solarstrom über den Laderegler zur Batterie und anschließend über den MultiPlus-II in das Hausnetz. Soll vor allem möglichst viel eigener Solarstrom genutzt werden, reichen häufig wenige Grundeinstellungen:
- ESS aktivieren,
- einen passenden Mindest-Ladezustand der Batterie festlegen,
- größere Verbraucher möglichst in Zeiten hoher PV-Erzeugung betreiben,
- Verbrauchsspitzen zeitlich verteilen.
Für eine einfache Anlage mit gleichbleibenden Anforderungen kann das bereits eine schlüssige und zuverlässige Lösung sein.
Mehrere PV-Wege verändern die Aufgabe
Komplexer wird es, wenn Solarstrom über verschiedene Wege in das System gelangt. Ein Teil der PV-Leistung kann beispielsweise über einen MPPT-Laderegler direkt zur Batterie fließen, während eine weitere PV-Anlage mit Mikrowechselrichter unmittelbar in das Hausnetz einspeist.
In diesem Fall hat ESS nicht mehr die gesamte Stromerzeugung unmittelbar unter seiner Kontrolle. Für eine vollständige Bewertung müssen beide PV-Wege, der Hausverbrauch, der Batteriezustand und der Netzfluss gemeinsam betrachtet werden.
Entscheidend ist nicht, die Batterie möglichst schnell zu leeren.
Batterieenergie sollte dann eingesetzt werden, wenn sie den größten Nutzen bringt. Gleichzeitig kann es sinnvoll sein, eine Reserve für den Abend, die Nacht oder erwartete Lastspitzen zurückzuhalten.
ESS regelt - EMmkd gibt die Strategie vor
ESS übernimmt die schnelle technische Regelung zwischen MultiPlus-II, Batterie, Haus und öffentlichem Netz. EMmkd arbeitet eine Ebene darüber und legt abhängig vom aktuellen Anlagenzustand fest, welche Strategie gelten soll.
EMmkd kann beispielsweise entscheiden:
- welcher Netz-Sollwert tagsüber oder nachts verwendet wird,
- wie viel Batteriereserve erhalten bleiben soll,
- wann Batterieenergie genutzt oder zurückgehalten wird,
- wie auf hohe Verbraucher oder geringe PV-Erzeugung reagiert wird,
- wie externe PV-Anlagen in die Gesamtbewertung einfließen.
ESS setzt diese Vorgaben anschließend über Wechselrichter, Batterie und Netz um. EMmkd ersetzt ESS deshalb nicht, sondern erweitert es um eine anpassbare Entscheidungs- und Auswertungsebene.
Der Unterschied im Überblick
|
Aufgabe |
ESS |
EMmkd |
|
Batterie laden und Haus versorgen |
regelt |
überwacht und gibt die Strategie vor |
|
Netz-Sollwert regeln |
ja |
kann ihn abhängig von Zeit und Anlagenzustand ändern |
|
AC- und DC-PV gemeinsam bewerten |
teilweise |
ja |
|
Individuelle Strategien und Regelprofile |
begrenzt |
ja |
|
Externe PV-Anlagen einbeziehen |
eingeschränkt |
ja |
|
Eigenverbrauch und Autarkie auswerten |
Grundstatistik |
detaillierte Auswertung |
|
Ereignisse protokollieren und melden |
teilweise |
Protokolle und Push-Benachrichtigungen |
|
Regelqualität und Messkette diagnostizieren |
nein |
als erweiterte Diagnose vorgesehen |
Ein Beispiel für übergeordnetes Energiemanagement
Je nach Stromtarif, Netzsituation und Verbrauch können ganz unterschiedliche Ziele sinnvoll sein. Eine übergeordnete Steuerung kann beispielsweise nachts bei günstigen Strompreisen gezielt laden, tagsüber Netzbezug vermeiden, eine vorgegebene maximale Netzleistung einhalten oder bei Netzproblemen eine andere Betriebsstrategie wählen.
Solche Entscheidungen gehen über die reine Aktivierung von ESS und die Einstellung eines Mindest-Ladezustands hinaus. ESS führt die technische Regelung aus; das übergeordnete Energiemanagement bestimmt, welches Ziel gerade verfolgt werden soll.
Und was ist mit DESS?
Dynamic ESS (DESS) erweitert das klassische ESS insbesondere um Prognosen und dynamische Strompreise. Es plant den Energieeinsatz vor allem nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten und kann dadurch für Nutzer variabler Tarife interessant sein.
EMmkd verfolgt einen anderen Schwerpunkt. Im Mittelpunkt stehen eine lokal funktionierende Grundstrategie, individuelle Regelprofile, verständliche Statistiken, Diagnose, Benachrichtigungen und die spätere Fernverwaltung mehrerer Anlagen. Wetter-, Ertrags- und Preisprognosen können diese Funktionen künftig optional ergänzen.
Das Ziel: die vorhandene Technik besser nutzen
EMmkd macht aus ESS kein anderes System. Es hilft dabei, die vorhandenen Möglichkeiten gezielter an Anlage, Verbrauch und persönliche Ziele anzupassen. Das Ergebnis soll ein ruhiger Energiefluss mit hohem Eigenverbrauch, möglichst wenig unnötigem Netzbezug und einem schonenden Betrieb der Batterie sein.
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